Was bisher geschah

1. Osterei

Kurz vor Ostern liegt eine merkwürdige Stimmung über dem Dorf. Normalerweise summt es fröhlich rund um die Imkerei, doch heute klingt das Summen anders, fast gedämpft. Vedi und Jara sind gerade unterwegs zum Spielplatz, als sie den Imker sehen. Er steht zwischen seinen Bienenstöcken, den Kopf gesenkt, die Hände in seinen großen Taschen vergraben.

„Der sieht aber traurig aus“, flüstert Jara. Der Imker kniet sich vor einen seiner Stöcke. Wo sonst hunderte Bienen ein- und ausfliegen, sind heute nur wenige zu sehen. „Mein bester Bienenschwarm“, sagt er leise, „ist weg.“ Seine Stimme klingt schwer. Er erklärt Vedi und Jara, dass sich der Schwarm geteilt hat: “Ein Teil der Bienen ist mit einer neuen Königin ausgezogen, um ein eigenes Zuhause zu suchen. Das nennt man „Ausschwärmen“ – etwas ganz Natürliches.”

„Dabei hatte ich doch schon alles vorbereitet“, sagt der Imker und zeigt auf einen neuen, leeren Bienenstock. „Hier sollten sie einziehen, den habe ich extra selbst gebaut.“ Er seufzt. „Ohne die Bienen gibt es nicht genug neuen Honig.“ Er denkt an die Osterhäsin. Ihr hat er versprochen, im Sommer wieder frischen Honig zu liefern, damit ihre Vorräte für nächstes Jahr reichen.

Vedi fliegt ein Stück nach oben und schaut sich um: „Vielleicht kann ich sie ja aus der Luft sehen?“ Jara spürt, wie ihr das Herz klopft. Sie mag Bienen. Sie weiß, dass sie Blüten bestäuben und dafür sorgen, dass Obst und Gemüse wachsen. „Wir brauchen die Bienen hier“, sagt sie leise.

Vedi nickt entschlossen. „Wir helfen dir“, sagt er zum Imker. „Wir suchen den Schwarm.“ Der Imker schaut überrascht und ist sehr dankbar. Zum ersten Mal an diesem Morgen huscht ein kleines Lächeln über sein Gesicht.

Imker steht bei Bienenstöcken, während Vedi fröhlich die Bienen beobachtet



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2. Osterei

Jara rollt näher an den Bienenstock heran und betrachtet ihn neugierig. „Der ist richtig schön“, sagt sie. „Warum sind die Bienen denn nicht einfach hierhergezogen?“ 

Der Imker lächelt schwach. „Bienen sind sehr klug“, erklärt er. „Wenn ein Schwarm ausschwärmt, suchen sich die Bienen zuerst einen sicheren Platz. Oft setzen sie sich als große Traube an einen Ast oder Stamm. Von dort aus schicken sie Kundschafter los.“

„Kundschafter?“, fragt Vedi interessiert. „Ja“, nickt der Imker. „Das sind Bienen, die nach einer passenden neuen Wohnung suchen. Erst wenn sie sich einig sind, zieht der ganze Schwarm um.“ Jara staunt. „Die stimmen richtig ab?“ „Ganz genau“, sagt der Imker. „Und solange haben sie kein richtiges Zuhause. Das ist gefährlich, vor allem, wenn das Wetter schlecht wird.“ Vedi schaut sich um. „Dann müssen wir sie finden, bevor etwas passiert.“ Der Imker zeigt auf die Umgebung. „Sie können nicht weit sein. Meist bleiben die Schwärme in der Nähe. An Bäumen, Hecken, vielleicht sogar in einem Garten.“ 

Jara nimmt all ihren Mut zusammen. „Dann suchen wir eben überall“, sagt sie. „Im Wäldchen, an den Bäumen und bei den Gärten.“ Vedi lächelt. „Ich fliege voraus und schaue von oben. Wenn irgendwo viele Bienen zusammenhängen, sehe ich das bestimmt.“ Der Imker nickt dankbar. „Passt gut auf euch auf“, sagt er. „Und hört genau hin.“ „Die Lauscher sind gespitzt!“, ruft Vedi und macht sich mit Jara auf die Suche.

Imker beugt sich über einen Bienenstock, Jara und Vedi beobachten ihn.



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3. Osterei

Vedi fliegt langsam über die Imkerei und späht nach unten: „Von hier oben sieht alles ganz ruhig aus“, ruft er. „Weit und breit sind keine verlorenen Bienen zu erkennen!“

Jara bleibt stehen und schaut sich aufmerksam um. Denn sie weiß: Ein Bienenschwarm ist kein wildes Durcheinander. Die Bienen halten zusammen, dicht an dicht, fast wie eine lebendige Kugel. „Wir müssen nach einer Traube Ausschau halten“, murmelt sie. „Nicht nach einzelnen Bienen.“ „Weintrauben? Wir haben doch gerade gefrühstückt?“, fragt Vedi verwundert. „Nicht Weintraube, Vedi. Eine Traube. So nennt man es, wenn die Bienen ganz eng zusammenrücken. In der Mitte sitzt die Bienenkönigin, weil sie es am wärmsten haben muss.“

Vedi ist begeistert von Jaras Wissen über Bienen und fliegt motiviert weiter. „Lass uns bei den Apfelbäumen am Rand der Imkerei nachsehen!“ Aber dort finden sie nur ein paar pelzige Hummeln, die an gelben Krokussen gemütlich Pollen sammeln.

Weiter geht es zu den Sträuchern und Hecken. Einmal raschelt es laut, und Jara hält den Atem an. Doch es ist nur ein Vogel, der davon flattert. „Falscher Alarm“, sagt sie und versucht zu lächeln. Je länger sie suchen, desto stiller wird es. Die Sonne wandert langsam weiter, und Jara spürt, wie ihre Zuversicht ein kleines bisschen schrumpft. „Was, wenn wir sie gar nicht finden?“, fragt sie. Vedi landet neben ihr.

„Vielleicht haben wir an der falschen Stelle gesucht“, sagt er und blickt Richtung Wäldchen. „Dann probieren wir es dort“, sagt er beherzt. „Irgendwo müssen sie ja sein.“

Vedi schwebt mit Propellermütze über einer Wiese, eine Hummel fliegt zwischen Blumen.



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4. Osterei

Das Wäldchen beginnt gleich hinter der Imkerei. Hohe Birken stehen dort und dazwischen alte Eichen. Kaum sind Vedi und Jara unter den ersten Bäumen, verändert sich das Licht. Dort ist es schattiger, kühler und geschützter.

„Hier könnten sie sich gut verstecken“, ruft Jara. Vedi steigt höher, leuchtet und schaut in die Baumkronen. „Wenn ich ein Bienenschwarm wäre, würde ich mir einen stabilen Ast suchen“, ruft er nach unten. „Nicht zu dünn – der muss ja ganz viele Bienen tragen!“

Jara nickt. Sie erinnert sich, was der Imker einmal erzählt hat: Ein Bienenschwarm kann aus zehntausenden Bienen bestehen. Zusammen sind sie aber trotzdem erstaunlich leicht.

Sie suchen weiter. Hinter einem Brombeerstrauch summt es leise. Und es sind tatsächlich Bienen. Doch ihre Freude wird schnell getrübt: „Das sind Sammlerinnen“, erklärt Vedi. Doch nirgends hängt eine dichte Traube. Jara senkt den Blick. „Vielleicht sind sie doch weiter weggeflogen und wir suchen hier umsonst?“

Vedi landet neben ihr: „Oder sie haben sich einen Ort ausgesucht, an dem wir noch nicht nachgesehen haben.“ Er schaut in Richtung der Gärten hinter dem Wäldchen. „Zwischen den Zäunen und Schuppen gibt es viele versteckte Ecken, die kenne ich wie meine Westentasche!“, ruft er und fliegt so schnell davon, dass Jara kaum hinterherkommt.

Vedi und Jara rollen über einen Waldweg. Vedi leuchtet.



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5. Osterei

Vedi saust zwischen den Gartenzäunen hindurch. „Hier entlang!“, ruft er, während Jara so schnell sie kann über den schmalen Kieselweg rollt. Zwischen Schuppen, Holzstapeln und alten Blumentöpfen gibt es wirklich viele versteckte Winkel. Plötzlich bleibt Vedi erschrocken stehen. „Hast du das gehört?“

Jara lauscht angestrengt. Zwischen den Beeten mit Tulpen und Narzissen bewegt sich etwas. „Da ist doch ein Schatten hinter dem Busch!“, erkennt Vedi. „Das könnte der Schwarm sein!“, hofft Jara. Wieder raschelt es – diesmal hinter einem alten Geräteschuppen. Vedi fliegt vorsichtig näher heran, doch kaum ist er um die Ecke, ist alles still. „Sie verschwinden immer!“, stellt Jara verwundert fest.

Noch einmal hören sie etwas – war das etwa ein leises Kichern? Vedi späht über einen Zaun. In diesem Moment hüpft etwas Braunes blitzschnell hinter einem großen Weidenstrauch hervor – und verschwindet sofort wieder. „Ach, ihr seid das!“, ruft eine bekannte Stimme. Langsam tritt die Osterhäsin hinter dem Strauch hervor. Ihre Ohren wippen leicht, und sie hält einen bunt bemalten Korb im Arm. „Ihr habt mich aber erschreckt!“ Jara blinzelt überrascht. „Du uns erst! Wir dachten, das wären die Bienen!“

Die Osterhäsin lächelt verschmitzt. „Nein, nein. Ich verteile schon ein paar Osternester. Und beim Eierverstecken darf mich natürlich niemand sehen“, zwinkert sie den beiden zu. Dann wird sie ernster. „Aber ich habe gehört, dass ein Bienenschwarm verschwunden ist.“ Vedi nickt. „Wir suchen überall.“ Jara richtet sich auf. „Wir finden sie!”. „Davon bin ich überzeugt! Ihr habt bisher immer alles geschafft. Und dann helft ihr mir beim Nester verstecken und Osterzopf backen!“, sagt die Osterhäsin ermutigend.

Vedi und Jara entdecken die Osterhäsin zwischen Büschen und Bäumen.



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6. Osterei

„Ihr sucht aber gründlich“, sagt plötzlich eine ruhige Stimme. Vedi dreht sich herum – und beginnt zu strahlen. „Knetbert, wie schön dich zu sehen!“ Am Gartentor steht sein Zwillingsbruder: Ein gelber Ball mit wetterfester Weste und einer Mütze, an der ein kleines Abzeichen der Bergwacht glänzt. Zu Ostern kommt er jedes Jahr ins Dorf, um bei den Ostervorbereitungen zu helfen.

„Ich bin gerade erst angekommen“, sagt er und hüpft näher. „Und schon höre ich überall etwas von einem ausgeschwärmten Bienenschwarm.“ Jara erklärt ihm, was passiert ist. Knetbert hört aufmerksam zu. „Ihr habt ja wirklich schon überall gesucht.“ Vedi nickt eifrig. „Ja und Jara weiß richtig viel über Bienen!“ Knetbert lächelt amüsiert. „Ihr zwei seid wirklich ein gutes Team.“

Vedi und Jara lächeln stolz. Für einen winzigen Moment blickt Knetbert etwas betrübt. Früher war er es gewesen, der mit Vedi durch die Gegend gezogen ist, Wege geplant, Ausschau gehalten hat. „Darf ich euch begleiten?“, fragt Knetbert schließlich. „Natürlich. Du MUSST!“, ruft Vedi sofort.

Und dieses eine Wort reicht, um Knetberts Blick wieder heller werden zu lassen. Gemeinsam hüpfen sie Richtung Waldrand. Drei unterschiedliche Bälle mit verschiedenen Stärken und Fähigkeiten sind vielleicht genau das, was sie jetzt brauchen.

Vedi und Jara kommen am Berg an. Im Hintergrund ist ein Felsen und ein Baun.



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7. Osterei

Die Luft fühlt sich plötzlich frischer an. „Brr, langsam wird mir kalt!“, sagt Vedi. „Der Wind hat gedreht“, antwortet Knetbert. Er bleibt stehen und blickt zum Himmel. Über den Bergen sammeln sich dunkle Wolken. „Das gibt Regen“, vermutet er. „Vielleicht schneller, als uns lieb ist.“

„Das sieht überhaupt nicht gut aus!“, sagt Vedi zu den beiden anderen Bällen. Auch Jara dämmert es. „Ganz und gar nicht. Denn für einen Bienenschwarm ohne schützendes Zuhause kann starker Regen sehr gefährlich sein.“ Sie erklärt, dass die Bienen in ihrer Traube zwar eng zusammenrücken und sich gegenseitig wärmen können. Doch wenn sie lange nass und dem Wind ausgesetzt sind, verlieren sie Kraft. „Und sie haben ja noch keinen schützenden Stock“, ergänzt Jara. Vedi schaut wieder hinauf zu den dicken Wolkenrändern. „Hier unten haben wir alles abgesucht, sie können nur noch Richtung Berg geflogen sein. Und da sieht es ziemlich düster aus.“

So schnell sie können hasten sie den Berg hinauf. „Höher oben gibt es alte Obstbäume und einen Felsen mit Vorsprung“, ruft Knetbert. „Das könnte ein gutes Versteck sein.”

Der Weg den Hügel hinauf ist steinig und es beginnt leicht zu tröpfeln. Vedi, Jara und Knetbert müssen aufpassen, damit sie nicht ins Rutschen geraten. Oben angekommen, suchen sie zuerst die Apfel- und Birnbäume ab. Gerade als Vedi beginnt, die Hoffnung zu verlieren, entdeckt Knetbert ein bekanntes Gesicht in der Ferne.

Knetbert, Jara und Vedi stehen auf einem Hügel. Die Wolken sind dunkel uns es beginnt zu regnen.



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8. Osterei

„Das ist doch der Schäfer?“, ruft Knetbert freudig und rollt ein Stück weiter nach vorn. Tatsächlich. Zwischen den Apfelbäumen steht ein älterer Mann und versucht gerade, seinen aufgeregt bellenden Hund am Halsband festzuhalten. Der Wind zerrt an seinem offenen Mantel, doch es scheint nicht, als würde es den alten Mann stören. „Was macht ihr denn bei so einem ungemütlichen Wetter hier draußen?“, will er wissen und grüßt die drei kleinen Bälle.

„Was ist denn hier los?“, fragt Vedi und landet neben dem Schäfer. „Eben war er noch ganz ruhig“, sagt der Schäfer und streicht seinem Hund Bruno beruhigend über den Rücken. „Und plötzlich fing es dort drüben an zu brummen. Tief und laut. Das hat ihn erschreckt.“ Knetbert stutzt: „Brummen sagst du? Wir suchen einen verloren gegangenen Bienenschwarm“.

Der Schäfer nickt langsam. „Bienen sagt ihr? Na, wenn das nicht wie die Faust aufs Auge passt!“ Vedi hält den Atem an und Jara spürt, wie ihr Herz schneller schlägt. Die drei machen sich sofort auf den Weg hinüber zum Felsvorsprung.

Unter einem großen Ast, der sich über den Felsen neigt, hängt sie: Eine große, dichte Kugel aus Bienen. Tausende sitzen eng beieinander. Die Oberfläche bewegt sich sanft, fast wie ein lebendiger Mantel, begleitet von einem tiefen, vibrierenden Summen.

„Sie haben sich einen klugen Platz ausgesucht“, murmelt Knetbert beeindruckt. Auch Jara nickt begeistert. „Hier sind sie vor dem schlimmsten Wind geschützt.“ Ein paar Bienen lösen sich aus der Traube und schwirren prüfend umher. „Wir haben sie wirklich gefunden.“ Über ihnen grollt der Himmel nun lauter. Jetzt fehlt nur noch eines: Wie bekommen sie den Schwarm sicher nach unten – bevor der Regen stärker wird?

Große Bienentraube hängt am Baum, die drei Bälle sind im Hintergrund.



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9. Osterei

Der Wind pfeift durch die Baumkronen und das Prasseln der Regentropfen ist nun deutlich zu hören. „Wir müssen den Imker schnell holen“, sagt Jara aufgeregt. „Oder weiß jemand von euch, wie wir den Schwarm einfangen können?“

„Also ich auf jeden Fall nicht!“, sagt Knetbert. „Aber ich habe eine Idee! Der Schäfer hatte doch einen Schirm dabei? Fragt ihn, ob wir seinen Schirm kurz haben dürfen! Damit schützen wir die Bienen, bis Hilfe kommt. Und ich fliege so schnell ich kann ins Tal und hole den Imker“, sprudelt es aus Vedi heraus. Und schon saust er blitzschnell den Hang hinunter. Oben eilen Jara und Knetbert zurück zum Schäfer.

Bruno hat sich inzwischen beruhigt, beobachtet die Bienentraube aber mit großem Respekt aus der Ferne. „Ich glaube ihr müsst allein zurück zu den Bienen!“, ruft der Schäfer und deutet auf seinen ängstlichen Hund. „Hier ist der Schirm. Ich komm‘ auch ohne klar!“, sagt er und setzt seine Kapuze auf. Die beiden kleinen Bälle bedanken sich und machen sich mit dem Schirm im Gepäck auf den Weg zurück zum Felsen. Dort angekommen spannen sie ihn auf, ehe Knetbert nach oben fliegt und ihn schützend über den Schwarm hält.

„Wenn der Imker kommt, bringt er bestimmt eine Schwarmkiste mit“, sagt Jara zu Knetbert. „Er hat mir mal erklärt, wie das geht. Man hält einen Kasten unter die Traube und schüttelt den Ast kräftig. Dann fallen die Bienen hinein.“ Knetbert schaut hinauf. „Und wenn die Königin im Kasten ist, folgen ihr die anderen.“ „Genau“, sagt Jara. „Die Bienen bleiben immer bei ihrer Königin.“ Knetbert hört Jara fasziniert zu und ist eine Sekunde unkonzentriert, als es passiert: Der Schirm wird von einem heftigen Windstoß erfasst und fliegt gegen den nächsten Baum….

Bienenschwarm sammelt sich am Baum, während Knetbert’s blauer Schirm wegweht.



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10. Osterei

„Der Schirm!“, ruft Jara erschrocken. Der große blaue Schirm segelt durch die Luft, prallt gegen einen Ast und bleibt schließlich schief in den Zweigen eines Baumes hängen. Im selben Moment treffen einige Regentropfen die Bienentraube. Das Summen wird lauter, einige Bienen lösen sich und kreisen unruhig um den Ast. „Oh nein, bitte nicht auseinander fliegen!“, flüstert Jara.

Knetbert reagiert sofort. „Ich hol den Schirm!“ Mit kräftigen Sprüngen hüpft er den kleinen Weg zu den Bäumen entlang und springt schließlich auf den Ast. Doch er rutscht ab – der Ast ist zu glitschig vom Regen. „Pass auf!“, ruft Jara. Mit aller Kraft stößt sich Knetbert noch einmal ab, erwischt den Schirmgriff und zieht ruckartig daran. In diesem Augenblick hören sie eine vertraute Stimme. „Bleibt ganz ruhig!“ Der Imker kommt den Hang herauf, die Schwarmkiste unter dem Arm, dicht gefolgt von Vedi.

„Gut, dass ihr die Bienen so schnell gefunden habt“, sagt er stolz. „Bei dem Regen hätte es richtig gefährlich werden können für meinen Schwarm.“ Er stellt die hölzerne Kiste direkt unter den Ast. “Ihr werdet jetzt verwundert sein, warum ich eine Sprühflasche mit Wasser dabei habe. Vedi, Knetbert und Jara sehen sich erstaunt an. “Hä, ich dachte Wasser ist schlecht für die Bienen?”, fragt Vedi. “Das stimmt, aber zum Einfangen müssen wir die Bienen für kurze Zeit flugunfähig machen, sonst entwischen sie uns, wenn ich am Ast rüttle!”, erklärt der Imker den aufmerksamen kleinen Bällen.

”Klingt logisch!”, antwortet Vedi. “Fangen wir jetzt an?”, will er wissen. „Einverstanden! Ihr drei haltet die Kiste fest und ich versuche, den Ast vorsichtig zu schütteln. Vielleicht haben wir Glück und erwischen die Königin gleich!“, sagt der Imker optimistisch. Ob der Plan gelingen wird?

Imker besprüht die Bienen mit einer Sprühflasche und die Bienen fliegen in eine Schwarmkiste.



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11. Osterei

„Bereit?“, murmelt der Imker – und als Vedi nickt, gibt er dem Ast einen kräftigen, gezielten Ruck. Doch erst einmal passiert nichts. „Die sind aber ganz schön hartnäckig!“, sagt der Imker zwinkernd. „Ich muss wohl ein bisschen stärker rütteln! Achtung…. uuuuuund…..LOS!“ Und diesmal klappt es. Vedi und Knetbert verschließen die Kiste blitzschnell, sodass die Bienen in der Kiste bleiben. „Perfekt, die meisten Bienen haben wir erwischt!“, lobt der Imker die kleinen Bälle. „Und die anderen Bienen?“, will Jara wissen.

„Hier, der kleine Schlitz an der Seite, das ist das Flugloch“, erklärt der Imker und deutet auf den Rand der Schwarmkiste. Einige Bienen beginnen bereits, sich dort zu sammeln und fächeln mit ihren Flügeln. „Seht ihr das?“, sagt der Imker. „Sie fächeln mit ihren Flügeln. Das machen sie, um den Duft des Bienenstocks zu verteilen.“ „Und die Bienen, die noch außen sind, riechen das dann und finden so zu ihrem Schwarm in die Kiste?“, antwortet Jara begeistert. „Ganz genau!“, entgegnet der Imker und hält die Schwarmkiste neben die noch verbliebenen Bienen am Ast. Und ganz langsam können sie zusehen, wie eine Biene nach der anderen in die Kiste fliegt.

Der Imker lächelt zufrieden unter seinem Schleierhut. „Sie sind drin“, sagt er ruhig. „Danke euch für die tolle Hilfe, ihr habt etwas gut bei mir!“ Gemeinsam tragen sie die Schwarmkiste vorsichtig den Hang hinunter. Auch der Regen hat endlich nachgelassen. „Jetzt müssen wir die Bienen nur noch zu ihrem neuen Stock bringen!“, sagt Vedi. „Und dann müssen wir dringend zur Osterhäsin und ihr helfen, die Osternester zu verteilen!“

Vedi verschließt das Flugloch der Schwarmkiste als die Bienen alle hineingeflogen sind.



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12. Osterei

Vorsichtig tragen sie die Schwarmkiste zur Imkerei hinunter. Der Regen flacht ab, und zwischen den Wolken blitzt sogar ein Streifen Abendsonne hervor. Am neuen Bienenstock angekommen, öffnet der Imker behutsam die Kiste. „Jetzt geben wir ihnen ihr neues Zuhause“, erklärt er stolz. Ganz langsam kippt er die Schwarmkiste in den vorbereiteten Stock. „Wenn sie eingezogen sind, beginnen sie sofort mit dem Bau ihrer Waben.“ Er zeigt auf den Stock. „Das sind sechseckige Zellen, in denen sie Honig lagern und ihre Brut aufziehen.“ Jara beobachtet fasziniert, wie die letzten Bienen im Flugloch verschwinden. „Dann sammeln sie bald wieder Nektar?“ „Ganz genau“, nickt der Imker. „Und bestäuben dabei die Obstbäume und Blüten im ganzen Dorf.“ Knetbert lächelt zufrieden. „Dann hat sich die Mühe ja gelohnt.“

In diesem Moment kommt die Osterhäsin den Weg entlang gehoppelt, beladen mit Körbchen voller bunter Eier. „Ich habe gehört, ihr wart heute ganz schön fleißig!“, ruft sie fröhlich. „Die Bienen sind gerettet!“, erzählt Vedi stolz. Die Osterhäsin klatscht begeistert mit ihren Pfoten. „Dann kann Ostern ja kommen! Und ohne euch hätte ich vielleicht im nächsten Jahr keinen Honig für meinen Osterzopf gehabt. Helft ihr mir noch dabei, die letzten Eier zu verteilen?“ Das lassen sich die drei kleinen Bälle nicht zweimal sagen. „Wo die besten Verstecke sind, wissen wir jetzt doppelt gut!“, sagt Vedi zwinkernd.

Später sitzen alle zusammen in der warmen Backstube der Osterwerkstatt. Der Duft von frischem Hefeteig und Honig erfüllt den Raum. Gemeinsam flechten sie einen goldbraunen Osterzopf – und der Imker hält Wort: „Ihr hattet doch noch etwas gut bei mir“, sagt er und überreicht den drei kleinen Bällen je ein Glas Honig vom letzten Jahr.“ Draußen summt es leise im neuen Bienenstock. Drinnen wird gegessen und gelacht. Und so schmeckt dieses Osterfest nicht nur nach Honig – sondern vor allem nach Freundschaft und Zusammenhalt.

Die drei Bälle feiern das Osterfest. Vedi jongliert Eier, die Osterhäsin sitzt im Hintergrund.



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